Formal interessant, aber ohne inhaltliche Perspektiven
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Wer "American Psycho" (wie ich finde: mit Recht) für schwach hielt, weil die Kapitel über Markenartikel, Sex und Gewalt ermüdend umeinander rotierten, sollte es vielleicht mit "Die Informanten" versuchen. Hier zeigt der Autor, dass er durchaus auch komplexere Zusammenhänge verfassen kann. Wie sich aus dem Kurzgeschichtenzyklus, für den man das Buch zuerst halten kann, allmählich und sehr unaufdringlich Bezüge untereinander herstellen und doch alle Figuren miteinander zu tun haben: Das ist schon ziemlich kunstvoll. Oberflächlich betrachtet haben auch hier die Menschen nichts anderes zu tun, als sich anzuöden, Drogen zu nehmen, Musik zu hören und MTV zu glotzen. Aber die erzählerischen Mittel sind hier vielfältiger, es gibt z.B. ein Kapitel in Briefen, ohne dass das Buch deswegen an monotoner Eindringlichkeit hinter "A.P." zurückstände. Letzlich wurde "A.P." nur durch die Stilisierung, die äuÃerste Beschränkung des zu sagenden zum Roman. "Die Informanten" brechen die Form auf, ein erzählerischer Faden scheint für die ewig stoned einhertaumelnden Figuren nicht mehr konstruierbar, Welt zerfällt in Fragmente - und das ist etwas, was den Namen "Realismus" in stärkerem Umfang verdient, als die umständlichen und vollkommen ausgedachten Gewaltszenen von "A.P." Dennoch vermisse ich hinter all dem etwas, was man als "kulturkritische Diagnose", als Tätigkeit eines scharfen Verstands bezeichnen könnte, ich vernehme ein Leiden an der Leere, aber keinen Ausweg. Es mag naiv klingen, aber so etwas darf man von einem Autor doch erwarten. Ellis vertieft sich in diesen Seelenzustand offenbar doch mit einem gewissen Masochismus. Als formales Experiment sind "Die Informanten" durchaus interessant, als literarisches Werk aber doch etwas dünn.
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